Das Unified-Modulation-System

Modulation bedeutet in der Sound-Synthese, dass ein Element ein anderes auf eine kontrollierte Weise beeinflusst. Ein einfaches Beispiel hierfür ist das Vibrato, also das periodische Verändern der Tonhöhe. Bei der synthetischen Klangerzeugung erreichen wir dies, indem wir den Ausgang eines Niederfrequenz-Oszillators (LFO) mit dem Tonhöhen-Eingang eines Oszillators verbinden. Die Frequenz des LFOs bestimmt die Vibrato-Geschwindigkeit, und der Pegel des LFO-Signals bestimmt die Stärke der Modulation.

Modulationen führen zu Klängen, die sich über die Zeit automatisch verändern, basierend auf zugewiesenen Parametern und Modulationsquellen. In vielen Fällen führt dies zu interessanten Klangergebnissen.

In Zeiten der modularen Hardware-Synthesizer war jede Modulation deutlich sichtbar, weil dafür zwei Module mit einem Kabel verbunden wurden. In heutigen Zeiten der computerbasierten Musikproduktion sehen wir Knöpfe auf dem Bildschirm weit häufiger als ein Patchkabel, und das Zuweisen (oder auch nur das Anzeigen) von Modulationen ist zu einer echten Herausforderung geworden. Es wurden viele verschiedene Konzepte ausprobiert, aber man konnte sich bisher auf keinen Standard einigen.

Bitwig Studio hat seine eigene, programmweite Methode zum Umgang mit Modulationen. Mit dem Unified-Modulation-System lassen sich sehr einfach Modulationen erstellen und editieren (damit Sie nicht nur vorgefertigte Modulationsverbindungen benutzen). Es erhält in den meisten Fällen auch die Parameter-Steuerung. Somit sind Sie in der Lage, einen modulierten Knopf manuell zu bewegen, um so den Modulationsbereich zu verschieben. Sogar der aktuelle Wert des modulierten Parameters wird mit dem Unified-Modulation-System angezeigt.

In diesem Abschnitt werden wir uns zunächst dem Unified-Modulation-System anhand von Modulator-Devices nähern. Dann werden wir erfahren, wie wir mit demselben Verfahren Modulationen innerhalb eines Instruments zuweisen.

Modulator-Devices

Die meisten Audiosysteme arbeiten mit einer festen Anzahl von Modulationsquellen, wie z. B. zwei LFOs, drei Hüllkurvengeneratoren, Kontrolle über das Keytracking und eventuell noch einen Sidechain-Eingang für externe Audio- oder Notensignale. Diese Auswahl wird vom Anwender in vielen Fällen als Einschränkung wahrgenommen. Einige Sounds benötigen gar keine LFOs, andere hingegen zehn Stück. In Bitwig Studio werden diese Optionen vollständig dem Anwender überlassen.

Modulator-Devices sind spezielle Module, die in jedes Device geladen werden können, um Parameter in einem Device auf eine bestimmte Art und Weise steuern zu können. Es gibt verschiedene Arten von Modulatoren:

  • Zuweisbare Elemente der Benutzeroberfläche, wie z. B. Button, Buttons, Macro-4 und Macro.

  • Standardquellen für Modulationssignale, wie z. B. 4-Stage, ADSR, AHDSR, Beat LFO, Classic LFO, LFO und Steps.

  • Modulatoren, die eintreffende MIDI-Signale und Notenbefehle verarbeiten, wie z. B. Keytrack, MIDI und Note Sidechain.

  • Modulatoren, die externe Signale verarbeiten, wie z. B. Audio Sidechain, Envelope Follower und HW CV In.

  • Modulatoren, die ein einzelnes Signal aufteilen und an mehrere Ziele senden, wie z. B. Select-4, Vector-4, Vector-8 und XY.

  • Modulatoren, die unterschiedliche Steuersignale miteinander kombinieren, um daraus eine neue Modulationsquelle zu erstellen, wie z. B. Mix (um zwei Signale zu überblenden) und Math (für komplexere Kombinationen von Signalen).

  • Modulatoren, die etwas Chaos erzeugen, wie z. B. Random.

[Anmerkung]Anmerkung

Eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Modulator-Devices finden Sie in Modulatoren.

Wenn Sie auf den Modulator-Schalter klicken, wird der Modulator-Bereich eingeblendet.

Daraufhin erscheint ein leerer Modulator-Bereich mit drei verfügbaren Modulationszellen. Wenn in alle drei Zellen ein Modulator-Device geladen wird, vergrößert sich der Bereich um weitere drei Zellen. Dieser Vorgang wiederholt sich immer dann, wenn alle Modulationszellen belegt sind.

In der Mitte jeder Modulationszelle befindet sich der Schalter Add Modulator. Wenn Sie diesen Schalter anklicken, erscheint eine spezielle Version des Pop-up-Browsers.

Wie wir bereits wissen, ist der Pop-up-Browser kontextsensitiv und zeigt immer die wichtigsten Informationen für den Bereich an, von dem er aufgerufen worden ist. Wenn er also im Modulator-Bereich aufgerufen wird, zeigt er nur Modulator-Devices an. Abgesehen davon funktioniert der Pop-up-Browser so, wie wir es gewohnt sind. Jedes Device ist verschiedenen Kategorien zugeordnet, und sobald Sie ein Device auswählen, wird es im Device-Bereich vorgehört. Mit einem Klick auf Okwird das ausgewählte Device in die Modulationszelle geladen.

Um einen Modulator auszuschneiden, zu kopieren, einzufügen, zu duplizieren oder zu löschen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Hintergrund einer Modulationszelle, wie zum Beispiel den Namen des Modulators.

Beachten Sie auch die Option Active im Kontextmenü, mit der Sie Modulatoren ein- oder ausschalten können. Auf diese Weise können Sie den Modulator kurzzeitig deaktivieren.

Für dieses Beispiel haben wir den Modulator Buttons ausgewählt. Dieses Device besitzt zwei Schalter, die an- oder ausgeschaltet werden können, um somit zugewiesene Parameter zu steuern. Da jeder Schalter separat zugewiesen werden kann, hat dieses Device zwei Modulation-Routing-Schalter.

Das Symbol des Modulation-Routing-Schalters ähnelt einer Ausgangsbuchse mit einem Patchkabel. Ein Klick darauf aktiviert einen Modus, in dem Sie beliebig viele Modulationsziele auswählen können. Die Modulationsstärke lässt sich für jedes Ziel separat einstellen. Wenn er aktiviert ist, beginnt der Schalter zu blinken, alle aktuell zugewiesenen Ziele werden in einer hellen Farbe dargestellt und alle potenziellen Ziele werden schattiert angezeigt.

[Anmerkung]Anmerkung

Wenn es in einem Modulator mehrere Modulation-Routing-Schalter gibt, werden diese in manchen Fällen nur mit einen Punkt dargestellt. Ein Beispiel ist das Vector-8-Device, das acht Modulation-Routing-Schalter besitzt, die entlang der Ränder verteilt sind.

Um eine Modulationsverbindung zu erstellen, aktivieren Sie zunächst den Modulation-Routing-Schalter der Modulationsquelle. Klicken Sie dann auf den Ziel-Parameter und verändern bei gehaltener Maustaste den Wert, um den Punkt der maximalen Modulation festzulegen.

[Anmerkung]Anmerkung

Weil der Modulationsbereich immer ein relativer Wert ist, ist dessen Anzeige am Regler auch relativ und spiegelt nicht den direkten Parameterwert wieder. Sie können also den Modulationsbereich über den normalen Bereich des Parameters hinaus verändern. Das ist korrekt so. Sehen Sie sich dazu das folgende Beispiel an, in dem ein LFO-Modulator den Resonance-Parameter eines Filter-Devices steuert.

Sie können weitere Parameter auf dieselbe Art zuweisen.

In diesem Beispiel wird in einem EQ-2 das Hochpassfilter auf 80 Hz eingestellt, außerdem reduziert ein Glockenfilter die Lautstärke bei 3,6 kHz um 3 dB. Solange der Schalter A unseres Buttons-Modulators ausgeschaltet ist, bleiben diese Werte unverändert.

Wenn Sie jedoch auf den Schalter A klicken, aktivieren Sie die Modulationen. Die Grenzfrequenz des Hochpassfilters wird auf 2 kHz verschoben. Im Glockenfilter verringert sich die Frequenz, die Verstärkung und Bandbreite nehmen jedoch zu. Die Parameter und die Frequenzkurve zeigen all diese Veränderungen durch blaue Markierungen an, die den aktuell eingestellten Wert widerspiegeln. (Tontechnisch ausgedrückt wird in diesem Beispiel das Frequenzspektrum beschnitten und bestimmte Frequenzen betont.)

Buttons ist ein sehr einfacher Modulator, mit dem Sie zwischen zwei Parameterwerten umschalten können. Dazu zwei Anmerkungen:

Erstens: Abgesehen von Buttons arbeiten viele Modulatoren auf eine kontinuierliche Art und Weise, indem sie entweder weich zwischen Werten überblenden oder Werte proportional verändern.

Zweitens: Viele Modulatoren besitzen zusätzliche Regler, die nicht mehr in die Modulationszelle passen. Bei solchen Modulatoren wird auf der rechten Seite ein kleines Dreieck angezeigt. Mit einen Klick darauf öffnen Sie einen Bereich, in dem die zusätzlichen Parameter des Modulators angezeigt werden.

Beachten Sie bitte auch, dass alle Parameter von Modulatoren – sowohl solche in der Modulationszelle als auch solche im zusätzlich angezeigten Bereich – ebenfalls Modulationsziele sein können.

Sobald Sie Modulationszuweisungen erstellt haben, können diese auf viele verschiedene Arten manipuliert oder kopiert werden, entweder mit dem Inspektor-Panel (siehe Das Modulationsquellen-Tab, Transferfunktionen und Modulationsskalierung) oder mit dem Device-Panel.

Um eine Modulationsverbindung von einer Modulationsquelle zu entfernen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Modulation-Routing-Schalter der Modulationsquelle und dann auf das x links neben dem gewünschten Parameter.

Um alle Modulationsverbindungen von einer Modulationsquelle zu entfernen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Modulation-Routing-Schalter der Quelle und wählen Delete aus dem Kontextmenü aus.

[Anmerkung]Anmerkung

Die Optionen Ausschneiden, Kopieren und Einfügen aus dem Kontextmenü lassen sich auf alle Modulationsverbindungen anwenden. Sie können somit Modulationsverbindungen zwischen verschiedenen Modulatoren austauschen. Weitere Optionen für das Verschieben und Kopieren von Modulationsverbindungen befinden sich im Inspektor-Panel (siehe Das Modulationsquellen-Tab, Transferfunktionen und Modulationsskalierung).

Modulationsverbindungen können außerdem vom Zielparameter entfernt werden.

Um eine Modulationsverbindung von einem Modulationsziel zu entfernen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Parameter. Im Kontextmenü im Bereich MODULATION ROUTINGS wählen Sie die gewünschte Modulationsquelle aus und klicken auf das x rechts außen.

Modulationen innerhalb eines Devices

Einige Devices haben ihre eigenen eingebauten Modulationsquellen. Instrumente sind hier das beste Beispiel, also schauen wir uns den Zwei-Oszillator-Synthesizer Polysynth genauer an.

Hier sind zwei eingebaute Modulationsquellen verfügbar, die beide Module innerhalb des Polysynth sind. Die Filterhüllkurve (Filter Envelope Generator, kurz FEG) ist fest der Cutoff-Frequenz des Filters zugewiesen, genau wie die Lautstärkehüllkurve (Amplitude Envelope Generator, kurz AEG) die Lautstärke des Instruments steuert.

Ein Modulation-Routing-Schalter in jedem dieser Module deutet bereits drauf hin, dass sie auch für andere Modulationsziele genutzt werden können. Mit einem Klick auf einen dieser Schalter aktivieren Sie den Modulation-Routing-Modus, ähnlich wie wir es bereits von Modulator-Devices kennen.

Genau genommen funktioniert das Verbinden, Editieren und Löschen von Modulationsverbindungen programmübergreifend auf exakt dieselbe Art und Weise.

Der Unterschied im obigen Beispiel ist, dass die Modulation-Routing-Schalter (für FEG und AEG) sowie die verfügbaren Zielparameter in hellgrün leuchten. In vorangegangenen Beispielen waren sie blau. Diese Einfärbung deutet auf einen kleinen, aber wichtigen Unterschied hin.

Die blaue Farbe zeigt an, dass es sich hier um eine monophone Modulationsquelle handelt. Monophone Quellen generieren nur ein Steuersignal, das identisch auf alle Ziele angewandt wird (musikalisch gesprochen also unisono).

Polyphone Modulationsquellen hingegen leuchten in hellgrüner Farbe. Polyphone Quellen erzeugen mehrere Steuersignale, um jeder Note ein einzelnes Signal zur Verfügung zu stellen. Dasselbe Konzept kennen wir bereits von den Expressions, wo jede Note ihre eigene Modulationskurve hat.

[Anmerkung]Anmerkung

Das CLAP-Plug-in-Format unterstützt polyphone Modulation. Bitte kontaktieren Sie die Hersteller Ihrer Plug-ins, um zu erfahren, ob dieses Feature auch von Ihren spezifischen Plug-ins unterstützt wird.

Monophonie und Polyphonie sind zwei musikalisch unterschiedliche Ausdrucksformen. Bei der Wahl zwischen diesen beiden gibt es kein generelles Besser oder Schlechter, der richtige Entschluss ist immer situationsabhängig. In Bitwig Studio können wir uns in einigen Fällen zwischen diesen beiden entscheiden.

Wenn wir ein LFO-Modulator-Device zu einem Polysynth hinzufügen, leuchten der LFO und alle seine potenziellen Ziele blau.

Da Bitwig Studio Einzelnoten-Modulation verarbeiten kann, können Modulatoren wie der LFO in einen polyphonen Modus geschaltet werden.

Um einen Modulator zwischen monophonem und polyphonem Modus umzuschalten, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine bereits belegte Modulationszelle. Im Kontextmenü klicken Sie dann auf den Eintrag Per-Voice.

Sobald die Option Per-Voice aktiviert ist, arbeitet der Modulator im polyphonen Modus.

Da Nested-Devices von Top-Level-Devices moduliert werden können, werden polyphone Modulationsquellen in der Regel summiert und stehen als monophone Signale zur Verfügung. Als Beispiel sehen wir hier das FEG-Modul, dessen monophones Signal einen De-esser moduliert.

Devices im Inspektor-Panel

Wenn ein Device ausgewählt und das Inspektor-Panel sichtbar ist, werden hauptsächlich die Modulationsquellen und aktive Modulationsverbindungen angezeigt. Es gibt aber auch weitere Parameter, die am oberen Rand des Inspektor-Panels angezeigt werden.

Oben erscheinen der Name und die Kategorie des Devices zusammen mit einer kurzen Beschreibung. Darunter befinden sich drei Standard-Parameter:

  • Zunächst befindet sich dort ein Texteingabefeld für den Namen des Devices. Hier wird der offizielle Name des Devices in kursiver Schrift angezeigt. Der voreingestellte Name kann überschrieben werden, indem Sie einen neuen Namen in das Eingabefeld tippen. Wenn Sie den Namen löschen, wird wieder der offizielle Name angezeigt.

  • Mit dem Schalter Active aktivieren oder deaktivieren Sie das Device.

    [Anmerkung]Anmerkung

    Weitere Informationen zum Aktivieren und Deaktivieren von Projektelementen finden Sie in Deaktivieren von Spuren.

  • Der Schalter Enable hat dieselbe Funktion wie der Device-Enable-Schalter.

Neben diesen Standardparametern besitzt jedes Device außerdem noch eigene Parameter im Inspektor-Panel. Anhand einiger Beispiele werden wir Ihnen die Anwendungsmöglichkeiten verdeutlichen. Beginnen wir zunächst mit den Voice-Parametern der Instrumente in Bitwig Studio und den MPE-Optionen für Plug-ins. Danach werden wir zwei Tabs mit weiteren Parametern sowie ein Modulator-Device kennenlernen.

Voice-Parameter bei Instrumenten

Einige Instrumente in Bitwig Studio haben eine Reihe von stimmenbasierten Parametern in ihren Inspektoren, direkt unter den Standardparametern.

Die Einstellung Voices legt die Anzahl der spielbaren Stimmen fest. Falls hier zwei oder mehr eingestellt ist, kann das Instrument polyphon gespielt werden. Dies aktiviert gleichzeitig das Voice-Management. Die Zeitspanne, in der eine Stimme als aktiv gilt, reicht vom Triggern mit einem Note-on-Signal bis zum vollständigen Ausklingen der Note. Active Voices zeigt uns hier an, dass keine der zwölf (0 / 12) potenziellen Stimmen derzeit aktiv ist. Dies bleibt so, bis eine neue Note das Instrument triggert.

Sobald der Parameter Voices auf eins gesetzt wird, befindet sich das Instrument im monophonen Modus. In der Anzeige erscheint Mono.

Der Modus True Mono ähnelt einem monophonen analogen Synthesizer, einschließlich dem Verhalten der Trigger-basierten Hüllkurven und der Tatsache, dass die Stimme immer aktiv ist, wie in der obigen Abbildung unter Active Voices1 / 1 zu sehen ist.

Der Modus Digi Mono verhält sich dagegen wie eine moderne monophone Variante. Alle Hüllkurven starten mit dem Beginn der Attack-Phase. Tatsächlich wird hier zwischen zwei Stimmen umgeschaltet und somit eine Art überlagernde Mono-Version erzeugt. Da das Verwenden von zwei Stimmen technisch gesprochen polyphon ist, ist auch das Voice-Management aktiviert, wie Sie in der obigen Abbildung unter Active Voices0 / 1 sehen können.

[Anmerkung]Anmerkung

Bei jedem dieser drei Voice-Modi lässt sich Voice Stacking aktivieren. Dabei wird jede verwendete Stimme mit weiteren Stimmen multipliziert (siehe Voice-Stacking).

Zusätzlich bieten beide Mono-Modi eine Retrigger-Option für die Legato-Spielweise (das Spielen oder Loslassen einer Taste während eine andere Taste noch gehalten wird). Mit dieser Option bestimmen Sie, ob die Hüllkurvengeneratoren niemals neu getriggert werden (Never), nur bei Note-on-Signalen (Note on) oder sowohl bei Note-on- als auch bei Note-off-Signalen (Always).

Schließlich können Sie mit der Option Steal same key festlegen, ob eine Note die Stimme derselben, früher gespielten Note stoppen darf. Mit Steal fade time legen Sie die Zeitspanne der Überblendung fest.

Plug-in-Parameter im Inspektor

Sobald Sie ein Plug-in ausgewählt haben, werden im Inspektor-Panel einige Optionen angezeigt.

Die Option Suspend legt fest, auf welche Art und Weise Bitwig Studio entscheidet, dass ein Plug-in nicht mehr benötigt wird und vorübergehend deaktiviert werden kann. (Wenn dieser Fall eintritt, wird der Power-Schalter des Plug-ins zum Symbol eines Mondes und zeigt somit an, dass das Plug-in keine CPU-Leistung mehr verbraucht.) Sie können zwischen drei Optionen wählen:

  • Never – Das Plug-in bleibt immer aktiv.

  • When silent – Bitwig Studio entscheidet, ob das Plug-in noch gebraucht wird, basierend darauf, ob ein Audiosignal durch das Plug-in fließt oder nicht.

  • Trust plug-in (Voreinstellung) – Bitwig Studio verwendet Daten des Plug-ins, um festzustellen, ob das Plug-in noch aktiv ist.

Wenn die Option Use MPE (Multidimensional Polyphonic Expression) eingeschaltet ist, können Sie hier den Pitchbend-Bereich (PB range) in Halbtonschritten eingeben. Im obigen Beispiel steht der Wert ± 48 Halbtöne für einen Bereich von jeweils vier Oktaven nach oben und unten. Für weitere Informationen über Plug-ins und MPE, siehe Verwendung von Plug-ins

Das Modulationsquellen-Tab, Transferfunktionen und Modulationsskalierung

Das Modulationsquellen-Tab ist das erste Tab. Sein Icon symbolisiert eine Modulationsquelle.

Hier wird jede Modulationsquelle des ausgewählten Devices angezeigt, zusammen mit einem Modulation-Routing-Schalter.

Unterhalb jeden Eintrags der Modulationsquelle befindet sich eine Liste aller aktiven Modulationen, die von dieser Quelle ausgehen. Der Anteil der Modulation wird ganz rechts in Orange angezeigt und kann dort geändert werden. Das hellgraue x, das dem Parameternamen vorangestellt ist, können Sie anklicken, um die Modulation zu löschen. (Vor jedem Modulationsanteil befindet sich ein ausgegrautes Diagramm, das am Ende des Kapitels behandelt wird.)

Zusätzlich können Sie einzelne Modulationsziele deaktivieren sowie Modulationen von einer Quelle zur nächsten ziehen.

Um eine Modulationsverbindung zu aktivieren oder deaktivieren, klicken Sie mit gedrückter SHIFT-Taste auf den Namen einer Modulationsverbindung im Inspektor-Panel. (Ebenso können Sie mit einem Rechtsklick auf einen Modulation-Routing-Schalter ein Pop-up-Menü öffnen und dann mit gedrückter SHIFT-Taste auf den Namen einer Modulationsverbindung klicken.)

Um den Status aller Verbindungen einer Modulationsquelle umzuschalten, klicken Sie mit gedrückter SHIFT-Taste auf den Titel der Modulationsquelle im Inspektor-Panel.

Um eine Modulationsverbindung von einer Modulationsquelle zu einer anderen zu verschieben, klicken Sie auf den hellgrauen Namen und ziehen ihn auf eine andere Modulationsquelle der Liste.

In der obigen Abbildung könnten Sie beispielsweise den Eintrag Gain, der sich unter ADSR befindet, auf Keytrack ziehen. Somit würden die Tinhöhen aller eintreffenden Noten den Gain-Wert modulieren.

Um eine Modulationsverbindung von einer Modulationsquelle zu einer anderen zu kopieren, klicken Sie auf den hellgrauen Namen und ziehen ihn mit gehaltener ALT-Taste auf eine andere Modulationsquelle.

Um alle Modulationsverbindungen von einer bestimmten Modulationsquelle zu kopieren oder zu verschieben, klicken Sie auf den weißen Titel der Modulationsquelle (in diesem Fall ADSR) oder auf dessen Modulation-Routing-Schalter und ziehen ihn auf eine andere Modulationsquelle. Achten Sie dabei auf die Fußzeile (siehe Verfügbare Aktionen). Dort werden alle Optionen angezeigt, die Ihnen beim Ziehen mit der Maus zur Verfügung stehen. Ähnliche Funktionen sind außerdem im Device-Panel verfügbar, wenn Sie mit gehaltener ALT-Taste entweder einen Modulation-Routing-Schalter oder einen Zielparameter mit der Maus ziehen. Auch dort sehen Sie wiederum alle verfügbaren Optionen in der Fußzeile.

Kommen wir nun zurück zu den ausgegrauten Diagrammen, die bei jeder Modulationsverbindung angezeigt werden. Wenn Sie den Cursor darüber bewegen, wird das Diagramm heller dargestellt.

Ein Klick auf das Diagramm öffnet ein Drop-down-Menü mit einer Auswahl an Übertragungsfunktionen (oder Kurvenverläufen). Dies kann für jede Modulationsverbindung separat eingestellt werden.

Im Einzelnen sind dies:

  • Linear (bipolar) – Geradliniger Kurvenverlauf, der jedes Modulationssignal unverändert an das Ziel weiterleitet. Da dieser Kurvenverlauf keine Auswirkungen hat, werden Zuweisungen, die auf Linear (Voreinstellung) gestellt sind, leicht abgedunkelt im Inspektor-Panel dargestellt.

  • Positiv (unipolar) – Proportionaler Kurvenverlauf bei positiven Werten. Alle eintreffenden positiven Modulationswerte werden im positiven Bereich weitergeleitet. Alle eintreffenden negativen Modulationswerte bekommen den Wert null.

  • Negativ (unipolar) – Proportionaler Kurvenverlauf bei negativen Werten. Alle eintreffenden negativen Modulationswerte werden im positiven Bereich weitergeleitet. Alle eintreffenden positiven Modulationswerte bekommen den Wert null.

  • Absolut (unipolar) – Kurvenverlauf unabhängig vom Vorzeichen. Alle eintreffenden positiven Modulationswerte werden im positiven Bereich weitergeleitet. Alle eintreffenden negativen Modulationswerte werden ebenfalls im positiven Bereich weitergeleitet.

  • Richtung null (unipolar) – Kurvenverlauf, bei dem sich die Werte vergrößern, wenn sie sich dem Nullpunkt nähern. Die beiden extremen Werte (-1 und +1) bekommen den Wert null und eintreffende Signale mit dem Wert 0 bekommen den Wert +1.

  • Exponentiell (bipolar) – Kurvenverlauf, bei dem die Werte zunehmen, je weiter sie sich vom Nullpunkt entfernen. Die positiven und negativen Maximalwerte werden so weniger oft erreicht.

  • Logarithmisch (bipolar) – Kurvenverlauf, bei dem die Werte abnehmen, je weiter sie sich vom Nullpunkt entfernen. Die positiven und negativen Maximalwerte werden so schneller erreicht.

Beachten Sie, dass im Modulation-Routing-Modus Modulationssignale von anderen Quellen im Inspektor-Panel schattiert dargestellt werden. So wird verdeutlicht, dass sie ebenfalls moduliert werden können.

In der obigen Abbildung befindet sich die Quelle Vel(ocity) des Expressions-Modulators im Zuweisungsmodus. Da die drei aktiven Modulationen des Test Tone-Devices (mit dem Namen Carrier) von anderen Quellen kommen, sind sie alle potenzielle Modulationsziele. Die Möglichkeit, Modulationen zu skalieren, erlaubt einer Modulationsquelle, den Ausgang jeder beliebigen Modulationsverbindung zu skalieren. Mit einem Klick auf die Modulation des Gain-Parameters vom ADSR-Modulator wird die Anschlagsstärke jeder Note die Stärke der Modulation skalieren.

Die zwei neuen Einträge im Inspektor-Panel zeigen an, dass Modulationssignale skaliert werden. Falls der ADSR noch einen weiteren Parameter modulieren soll, wird diese neue Verbindung nicht durch den Vel(ocity)-Parameter skaliert, da Skalierungen immer für jede Modulation einzeln eingestellt werden.

[Anmerkung]Anmerkung

Falls eine Modulationsverbindung sowohl eine Übertragungsfunktion als auch eine Modulationsskalierung verwendet, wird zuerst die Übertragungsfunktion und danach die Skalierung angewendet.

Das Modulationsziel-Tab

Das Modulationsziel-Tab ist das dritte Tab. Sein Icon symbolisiert ein Modulationsziel.

Hier sind alle Parameter aufgelistet, die im ausgewählten Device aktiv moduliert werden.

Unterhalb jeden Parameters befindet sich eine Liste aller aktiven Modulationen, welche diesen Parameter modulieren. Der Anteil der Modulation wird ganz rechts in Orange angezeigt und kann dort geändert werden. Das hellgraue x, das dem Parameternamen vorangestellt ist, können Sie anklicken, um die Modulation zu löschen.

In diesem Tab stehen Ihnen ähnliche Optionen zum Kopieren oder Verschieben von Modulationsverbindungen zur Verfügung (siehe Das Modulationsquellen-Tab, Transferfunktionen und Modulationsskalierung)

Modulationsparameter im Inspektor

Jeder Modulator hat sein eigenes Inspektor-Panel.

Dort werden seine Modulationsquellen und Modulationsverbindungen angezeigt, ebenso wie Parameter der Expressions.

Voice-Stacking

Bevor wir uns dem Voice Stacking widmen, sollten wir uns kurz mit Polyphonie befassen.

Synthesizer, die mehr als eine Note gleichzeitig wiedergeben können, spielen pro angeschlagener Taste jeweils eine Stimme (voice) ab. Die Anzahl der verfügbaren Stimmen legt also fest, wie viel Noten gleichzeitig wiedergegeben werden können.

Unisono ist ein klassisches Verfahren, um voluminösere Sounds mit einem Synthesizer zu kreieren. Dabei werden pro angeschlagener Note mehrere Stimmen gleichzeitig abgespielt (und außerdem einige Parameter pro Stimme leicht verändert, um den Sound einen analogen Charakter zu verleihen). Wenn sich also ein Synthesizer in einem zweistimmigen Unisono-Modus befindet, werden bei jeder angeschlagenen Note zwei leicht gegeneinander verstimmte Sounds abgespielt. Damit wird der Klang voluminöser und schwebender, gleichzeitig verringert sich aber die Anzahl der verfügbaren Stimmen (Polyphonie).

Bitwigs Voice Stacking basiert auf demselben Prinzip. Auch hier lassen sich mehrere Stimmen für jede Note abspielen. In jedem dieser Stacks lassen sich beliebig viele Parameter verändern, entweder individuell oder nach einer gleichmäßigen Verteilung.

[Anmerkung]Anmerkung

Instrumente, die Voice Stacking unterstützen, sind zum Beispiel Bitwig Studios FM-4, Phase-4, Polymer, Polysynth, Sampler und alle Grid-Devices (Poly Grid, FX Grid und Note Grid). Außerdem können CLAP-Plug-ins Voice Stacking unterstützen. Bitte kontaktieren Sie die Hersteller für weitere Informationen.

Da pro angeschlagener Taste mehrere Stimmen verwendet werden, kann Voice Stacking zu einer hohen Prozessorlast führen.

Im Inspektor-Panel des ausgewählten Devices befindet sich Voice Stacking direkt unterhalb der Einstellung Voices. Wenn beispielsweise Voices auf den Wert 5 und Voice Stacking auf den Wert 3 eingestellt ist, können Sie bis zu fünf Noten gleichzeitig spielen, und jede dieser Noten wird drei Stimmen wiedergeben. In der obigen Abbildung werden momentan keine Stimmen wiedergegeben, deshalb erscheint neben Active Voices der Wert 0 / 15.

Der erste Modulator im unteren Bereich des Inspektors ist Voice Stack Spread ±. Sobald Sie diese Modulationsquelle einem Parameter zuweisen, wird dessen Wert über alle Stimmen des Stacks gleichmässig "verteilt". Schauen wir uns das anhand eines Beispiels an.

In der obigen Abbildung ist das Ziel von Stack Spread die Pulsbreite von Oszillator 2. Der Modulationsanteil beträgt aktuell +0.10. Mit einer Voice stacking-Einstellung von 3 wird die Modulation auf die drei Stimmen folgendermaßen verteilt: Stimme 1 wird mit einem Wert von -0.10 moduliert, Stimme 2 wird nicht moduliert (+0.00) und Stimme 3 wird mit einem Wert von +0.10 moduliert. Wenn der Voice stacking-Wert geändert wird, wird der Modulationsbereich von -0.10 bis +0.10 beibehalten und gleichmäßig auf die Stimmen verteilt.

[Anmerkung]Anmerkung

Der Voice Stack-Modulator verfügt über weitere Optionen zum Modulieren von Voice Stacks (siehe Voice Stacking).

War dieser Beitrag hilfreich?

Bitte melde dich an, um uns Feedback zu senden.
Login